
Netzwerk für Gründer: Wie finden Sie die richtigen Kontakte?
Ein Netzwerk für Gründer beginnt nicht bei null, sondern in Ihrem bisherigen Berufsleben, gerade wenn Sie sich mit 50 selbstständig machen. Sobald klar ist, wem Sie mit welchem Angebot helfen, finden Sie die richtigen Kontakte zuerst unter Kollegen, Kunden, Lieferanten und Branchenkennern. Wer Ihre Positionierung in einem Satz versteht, kann Sie empfehlen. Netzwerk aufbauen heißt deshalb: Kontakte nach Kunden, Partnern und Marktwissen sortieren und gezielt pflegen.

Wie klar ist Ihre Positionierung?
Empfehlungen entstehen nur, wenn andere Ihr Angebot weitergeben können. Prüfen Sie:
• Können Sie in einem Satz sagen, wem Sie bei welchem Problem helfen?
• Unterscheidet sich Ihr Angebot von dem, was Ihre Kontakte schon kennen?
• Wissen frühere Kollegen, dass Sie sich selbstständig machen?
• Gibt es eine Branche oder Region, in der man Sie bereits kennt?
Je enger Ihr Angebot, desto leichter wird es weiterempfohlen.

Welche Kontakte haben Sie schon?
Schreiben Sie Ihr Netzwerk auf, bevor Sie neue Kontakte suchen. Sortieren Sie in drei Gruppen:
• Mögliche Kunden: Frühere Auftraggeber und Branchenkontakte. Prüfen Sie vorher, ob Ihr Arbeitsvertrag ein Wettbewerbsverbot enthält.
• Partner: Betriebe, die vor oder nach Ihnen beim Kunden sind.
• Marktkenner: Menschen, die Ihnen ehrlich sagen, ob Bedarf und Preis stimmen. Einige kurze Gespräche mit ihnen gehören in Ihre Marktanalyse.
Diese Liste zeigt, wo Sie nicht bei null anfangen.

Wo finden Sie Gründernetzwerke und neue Kontakte?
Gehen Sie dorthin, wo Ihre Kunden oder Partner sind, nicht nur andere Gründer:
• Gründernetzwerke in Ihrer Region: Gründertreffen von IHK, Handwerkskammer oder Wirtschaftsförderung, in NRW etwa die Startercenter.
• Fach- und Gründermessen, regionale Unternehmerforen und Branchentreffen, Innung und Berufsverbände.
• Selbstständigen-Verbände wie der VGSD.
• LinkedIn für Firmenkunden, mit eigenen Beiträgen statt nur Kontaktanfragen.
• Kooperationen mit Betrieben, die Ihr Angebot ergänzen.
Pflegen Sie Kontakte regelmäßig, auch ohne direkten Anlass.

Beispiel: Elektromeister Ende 50 baut sein Netzwerk auf
Eine typische Situation: Ein Elektromeister, Ende 50, war lange Projektleiter in einem großen Installationsbetrieb. Er macht sich mit der Prüfung elektrischer Anlagen für Hausverwaltungen selbstständig. Seine Positionierung ist eng: Prüfungen in Mehrfamilienhäusern in seinem Landkreis. Die ersten Aufträge kommen über zwei Hausverwaltungen, die er aus früheren Projekten kennt. Ein befreundeter Heizungsbauer empfiehlt ihn weiter, im Gegenzug vermittelt er ihm Aufträge.

Wie sprechen Sie frühere Kollegen an, ohne aufdringlich zu wirken?
Erzählen Sie offen, was Sie vorhaben, und bitten Sie um Rat statt um Aufträge. Eine kurze Nachricht reicht: was Sie anbieten, für wen, und ob die Person jemanden kennt, für den das passt. Die meisten Menschen helfen gern, wenn die Bitte konkret ist und keine Verpflichtung entsteht.
Lohnt sich ein Gründernetzwerk oder ein Verband?
Oft ja, wenn dort Menschen sind, die zu Ihren Kunden oder Ihrer Branche passen. Gründernetzwerke helfen vor allem in den ersten Monaten beim Erfahrungsaustausch; Innungen, Fachverbände und Selbstständigen-Verbände bieten Branchenwissen und teils günstigere Konditionen, etwa bei Versicherungen. Besuchen Sie vorher eine Veranstaltung als Gast und prüfen Sie, ob Sie dort weiterkommen.
Wie können Sie Ihr Netzwerk als Gründer erweitern?
Erweitern Sie Ihr Netzwerk gezielt statt breit: Wählen Sie zwei oder drei Orte, an denen Ihre Kunden oder Partner sind, etwa eine Innung, ein regionales Gründertreffen oder LinkedIn. Bitten Sie zufriedene Kunden und frühere Kollegen um eine Empfehlung an eine bestimmte Person. Geben Sie auch selbst Empfehlungen weiter, denn wer anderen Aufträge vermittelt, wird eher selbst empfohlen.
